Bildung

Foto: Pexels / pixabay.com
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Bildung ist ein entscheidender Grundstein für ein selbstbestimmtes Leben und geht dabei oftmals weit über Schulbildung hinaus.

Ohne Bildung gibt es kein Verstehen.
Ohne Bildung herrscht ein Verweilen in einer Paralyse.
Ohne Bildung gibt es keine Zukunft.

Das Recht auf Bildung gehört zu den Menschenrechten, welches seit 1919 durch die Weimarer Verfassung in einer allgemeinen Schulpflicht festgeschrieben wurde, die aber noch immer bestimmte Menschengruppen ausschloss. Erst 1978 kam die allgemeine Schulpflicht, unabhängig von Art und Intensität der Behinderung.

Doch seit einigen Jahrzehnten leidet das Bildungswesen in unserem Land: Lehrermangel, marode Schulgebäude, soziale Ungerechtigkeit, enorme Lernlücken.

Noch immer werden Bildungsfördermittel nach dem sogenannten Königssteiner Schlüssel vergeben, der sich nach der Einwohnerzahl und des BIPs des jeweiligen Bundeslandes bemisst, was seit Jahren für eine soziale Bildungsungerechtigkeit führt.

2016 gab es rund 50 000 Schulabbrecher*innen, Tendenz steigend.
Jährlich brechen circa 20 % der Student*innen ihr Studium in Deutschland ab, ohne sich beruflich neu zu orientieren. Daher muss auch das Bildungssystem endlich transformiert werden:

  • Bildung muss kostenfrei sein;
  • Bildung muss wahrhaftige Inklusion darstellen;
  • Bildung muss dafür Sorge tragen, Wissen individuell differenziert zur Verfügung zu stellen und jederzeit für alle verfügbar zu sein;
  • Bildung muss (wieder) die mächtigste Waffe werden, die die Welt (zum Positiven für alle) verändern kann.

Dafür braucht es vor allem:

  • mehr und besser ausgebildete Lehrer*innen,
  • mehr Schulsozialarbeiter*innen und Psycholog*innen an allen Schulen,
  • einer Reduzierung der Lehrpläne, damit nicht der Lerndruck bei Schüler*innen zur psychischen Belastung führt, sondern auch um die Lehrkräfte die Möglichkeit zu geben, auf Lernlücken einzugehen und Binnendifferenzierung adäquat durchzuführen.
  • fächerübergreifende Lernangebote mit Praxisnähe
  • eine vorurteilsfreie Bildung, die Chancengleichheit und Diskriminierungsschutz bietet
  • ein vielfältiges Angebot von Fort- und Weiterbildungen für alle Bildungsträger (KiTas, Schulen sowie Hochschulen)
  • Anerkennung aller Lehramtsabschlüsse des europäischen Inlandes
  • verbesserte Qualifikationen von Quereinsteiger*innen
  • Verbesserung der Teilhabe an Bildung

Die derzeitige Landesregierung hat nicht verstanden, dass ein bloßes Zur-Verfügung-Stellen eins digitalen Endgerätes für Lehrer*innen (und auf Glück Schüler*innen) noch keine Bildungsqualität herbeiführt, geschweige denn eine Bildungsgerechtigkeit entsteht. Offenbar nimmt man in Kauf, dass langfristig zwar jeder Schüler/jede Schülerin digital vernetzt ist – aber was bringt das, wenn letztendlich keine Lehrkraft mehr zur Verfügung steht, die vorne analog unterrichtet und individuell erklärt.

Die Politik hat durch ihre jahrelange stiefmütterliche Behandlung der Berufsbildenden Schulen erst dafür gesorgt, dass ein Fachkräftemangel in diesem Ausmaß entstanden ist. An BBSen arbeiten Theorie- und Praxislehrkräfte, je weniger die Politik in Hochschulen und Handwerk investiert, umso weniger Menschen qualifizieren sich für die Möglichkeit, Praxislehrer zu werden. Ein Teufelskreis.

Ich fordere daher sehr klar, dass Berufsbildende Schulen nicht länger als eine Art Betrieb, sondern als reale Bildungsstätte wahrgenommen werden, die aber mit anderen Anforderungen und Bedingungen daherkommt als Allgemeinbildende Schulen. Grundsätzlich bedarf es für die Berufsbildung:

  • kleinere Klassenstärken
  • Evaluierung der Ausstattung und Arbeitsplätze vor Ort
  • einen effizienten Digi-Pakt 2.0
  • Einstellung von Technischen Assistenten
  • genormte und gängigere Verwaltung
  • Lizenzen für Software-Programme und Unterrichtswerke
  • Copyright-Grauzone
  • Anpassung der Fachpraxis-Lehrer-Bezahlung oder wenn über Bezahlung nicht machbar, dann in der Stundenzahl runtergehen
  • immense Förderung von Integrationskonzepten (vor allem da der Migrationshintergrund an BBSen in allen Bereichen gestiegen ist)
  • mehr zentrale Steuerungsmöglichkeiten (z.B. Deutsch als Zweitsprache)

Insgesamt muss es die Möglichkeit für Beamt*innen im öffentlichen Dienst geben, in die gesetzliche Krankenkasse einzusteigen (auch noch im „Alter“), außerdem muss das Beamtensystem beweglicher gemacht werden, um einen Quereinstieg genauso wie die Planstellenbesetzung zugänglicher zu machen.

Ich sehe es daher in meiner Verpflichtung als Lehrerin, die ihren Job liebt, aber auch in meiner Verantwortung als Politikerin, die veralteten Strukturen aufzubrechen, und den Grundstein für den notwendigen Transformationsprozess der Bildungspolitik in Niedersachen zu legen. Ich möchte ein gemeinsames Verständnis dafür schaffen, was gutes Lernen ist und wie wichtig daher eine neue Lernkultur und dessen Akzeptanz ist.

Am 09.10.2022 haben wir in Niedersachsen die Möglichkeit, diese Sanierung und Transformierung endlich anzugehen, und damit etwas zu schaffen, was ebenfalls einem Wachstum der Gesellschaft darstellt.