„Der Kampf gegen Rechts ist kein Selbstzweck, man führt ihn aus der Position dessen heraus, dass man ein besseres und klügeres und vernünftigeres Programm hat – für die Welt von morgen.“

Meine Rede zur Montagsdemo – 21. Februar 2022

Wir stehen heute gemeinsam, um unsere Demokratie zu schützen.

Wer sich in unserem Jahrhundert demonstrativ rechts verortet, stellt die Werte einer offenen und liberalen Gesellschaft in Frage.

Auch wenn viele es nicht einsehen wollen, aber es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen Worte auf Plakaten, über soziale Kanäle sowie die Agitation auf der Bühne und tatsächlichen Taten – mörderische Umsetzungen in zum Beispiel Hanau und meiner Heimat Halle mahnen uns. Am vergangenen Samstag jährte sich der zweite Jahrestag des Anschlags von Hanau, welcher neun Menschen das Leben kostete. Sie alle hatten einen Migrationshintergrund und wurden daher Opfer einer rechtsextremen, rassistischen und antisemitischen Ideologie.

Schon kurz nach dieser schrecklichen Tat wurde der Hashtag #saytheirnames benutzt, damit die Namen der Opfer nicht in Vergessenheit geraten.

Eine würdige Erinnerungskultur muss die Kontinuität rechter Gewalt in den Blick nehmen und entsprechend Konsequenzen ziehen. Es darf kein Vergessen geben!

Es ist ein einfacher Satz, der uns aber verbindet, montags hier zusammenkommen lässt. Hinter seiner Schlichtheit verbergen sich die Geschichten und Erfahrungen unzähliger Menschen. Er ist der Schlüssel antifaschistischer Kämpfe, die eine Linie der Beständigkeit aufzeigt, die von Hanau im Jahr 2020 zum Brandanschlag in Mölln im Jahr 1992 bis hin zur nationalsozialistischen Gewalt der 1930er und 1940er Jahre reicht.

Diese Aufforderung „Niemals Vergessen!“ ist nicht nur das verbindende Element unserer Kämpfe, er ist auch die Voraussetzung für ein würdiges Erinnern. Wir wollen uns dies nicht erkämpfen müssen, trotzdem stehen wir heute hier – obwohl sicherlich niemand der „Omis gegen Rechts“ jemals gedacht hätte, sich noch einmal gegen rechtes Gedankengut auflehnen zu müssen.

Wir sind verpflichtet, die Erinnerungen an all die Geschehnisse, an das Verdrängte, an das stets Verborgene und Durchgebrachte, an dessen Ursachen und die Folgen, an das Davor und Danach zu schützen!

Denn diese Erinnerungen an das rechtsextreme Handeln muss zur Erinnerung aller werden. Denn sie alle mahnen und lehren uns – es besser zu wissen. Diese Forderungen von „Niemals vergessen“ und „Nie wieder“ sind aktueller denn je. Es gibt eine Beständigkeit rechter Gewalt in diesem Land, die es stets zu bekämpfen gilt.

Denn es geht um die öffentliche Meinung, der man sich anschließt, wenn man unter Rechten an sogenannten „Spaziergängen“ teilnimmt.

Allein, dass die Medien über solche Demonstrationen berichteten, allein, dass die Rechtsextremen Anschluss einiger Menschen in der Öffentlichkeit finden, bringt ihnen nicht nur Genugtuung, sondern auch näher an ihr Ziel:

die Rechten wollen nichts anderes als die Stimmung in der Gesellschaft in IHREM Sinne kippen!

Der Kampf gegen Rechts ist kein Selbstzweck, man führt ihn aus der Position dessen heraus, dass man ein besseres und klügeres und vernünftigeres Programm hat – für die Welt von morgen. Denn, wie schrieb es Erich Kästner in seinem Roman „Fabian“ 1931 so schön: „Alles, was gigantische Formen annimmt, kann imponieren, auch die Dummheit.“

Man stellt sich daher nicht neben Rechte und läuft erst recht nicht mit ihnen, selbst dann nicht, wenn man mit aktuellen politischen Entscheidungen unzufrieden ist.

Wer Personen mit Menschen- und Demokratiefeindlichen Gedankengut unter sich duldet, ihnen Platz und sogar eine Plattform bietet, agiert nicht anderes als die Menschen, die nach Kriegsende 1945 meinten, sie hätten das alles so nicht kommen sehen.

Erst unter der Führung einer rechten Ideologie werden wir das verlieren, wofür einige im eigentlichen Sinne demonstrieren: die individuelle Freiheit!

Also: geht nach Hause / bleibt daheim; und lasst euch impfen!